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HOME / NACHRICHTEN / Nachrichten 2007 / 20070824



Immer mehr Banken mit Engagement am US-Immobilienmarkt...

Hamburg (dpa) - Immer mehr deutsche Banken räumen Engagements am krisengeschüttelten US-Immobilienmarkt ein. Allerdings sehen die meisten ihre Liquidität derzeit nicht gefährdet, wie sie betonten. So teilte die BayernLB am Freitag mit, Wertpapiere zu halten, die mit ausfallgefährdeten Krediten aus dem sogenannten Subprime-Segment (zweitklassige US-Hypothekendarlehen) unterlegt seien.

Die Postbank rechnet in diesem Segment mit möglichen Ausfällen in Millionenhöhe. Die Ausfallrisiken lägen insgesamt im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich, sagte Vorstandschef Wolfgang Klein am Donnerstagabend in London. Die Postbank hatte Mitte des Monats 600 Millionen Euro in die eigenen Bücher genommen, die sie in zwei Untergesellschaften des angeschlagenen Fonds Rhineland der Mittelstandsbank IKB außerhalb der Bilanz investiert hatte.

Bei der BayerLB hätten 80 Prozent der Aktivitäten die höchste Bonitätsnote, das verbliebene Fünftel auch noch eine sehr gute Bewertung. Die Bank gehe derzeit davon aus, dass es "jedenfalls kurzfristig zu keinen Zahlungsausfällen kommen wird". Das Gesamtvolumen des Engagements nannte sie auch auf Nachfrage nicht.

Die krisengeschüttelte Sachsen LB ist nach einem Zeitungsbericht in noch größerer Not als bisher bekannt. Wie die "Süddeutsche Zeitung" (Freitagausgabe) berichtete, sollen sich die Engagements der Dubliner Bank-Tochter auf 65 Milliarden Euro summieren. Die Sachsen LB wies dies zurück. Wie ein Sprecher der Bank sagte, handelt es sich bei der Zahl lediglich um eine Größenordnung für einen rechnerischen Referenzrahmen.

Wegen des Engagements am US-Hypothekenmarkt war der von der Bank-Tochter Sachsen LB Europe (Dublin/Irland) gemanagte Fonds Ormond Quay in Bedrängnis geraten. Die Sparkassen-Finanzgruppe stellte eine Kreditlinie von 17,3 Milliarden Euro bereit. Wie der Bank-Sprecher betonte, liegt das Volumen des von Ausfällen bedrohten Fonds Ormond Quay genau in der Höhe der Kreditlinie. Davon sei allerdings noch nichts in Anspruch genommen worden. Mit der Sachsen LB beschäftigt sich das sächsische Kabinett an diesem Samstag in einer Sondersitzung.

Die Bank of China unterrichtete Investoren darüber, dass sie Wertpapiere im Wert von 9,7 Milliarden Dollar besitze, hinter denen zweitklassige US-Hypothekenkredite stünden, hieß es am Freitag in einer Mitteilung der Pekinger Bank. Die Bonität von etwa drei Viertel der Wertpapiere gab die Bank aber mit «AAA» an, was bedeutet, dass sie als letzte von einer Zahlungsunfähigkeit betroffen wären. Das Finanzinstitut hat aber umgerechnet 115 Millionen Euro für mögliche Verluste zurückgestellt, wie die «Shanghai Daily» berichtete.

Unterdessen hat die Rating-Agentur Fitch Kritik an ihrer Arbeit im Zusammenhang mit der US-Immobilienkrise zurückgewiesen. "Wir geben keine Kaufempfehlungen, wir machen nicht mehr und nicht weniger als Meinungen über Ausfallwahrscheinlichkeiten zu formulieren", sagte der Leiter des Bankenteams von Fitch Deutschland, Thomas von Lüpke, am Freitag in Frankfurt. Politiker hatten den Rating-Agenturen - zu den großen zählen außer Fitch Ratings Standard & Poor's und Moodys - wegen vermeintlich zu optimistischer Bewertungen von Papieren und Banken eine Mitschuld an der Finanzmarktkrise gegeben und mehr Kontrolle gefordert.

In den USA kostete die Hypotheken- und Immobilienkrise bereits zehntausende Arbeiter und Angestellte den Job. Bisher stellten mehr als 50 Hypothekenfirmen ihre Tätigkeit ein. Die Bank of America (BAC) stieg bei der schwer angeschlagenen größten US-Hypothekenbank Countrywide mit zwei Milliarden Dollar (1,5 Mrd Euro) ein. Ausgelöst worden waren die Turbulenzen, weil in den USA viele Hausbauer- und besitzer ihre Kreditraten nicht mehr zahlen konnten. Die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB war durch die Krise schwer getroffen worden. Sie wurde von einem Bankenpool um die staatliche KfW Bankengruppe mit einer Bürgschaft von 8,1 Milliarden Euro gerettet.

Wie "Die Welt" (Samstagausgabe) berichtete, wollen die Eigentümer der Sachsen LB - der Freistaat und die Sachsen Finanzgruppe - an diesem Wochenende über einen Zusammenschluss mit einer anderen Landesbank entscheiden. Favorit soll demnach die Landesbank Baden-Württemberg LBBW sein. Laut "Welt" soll aber auch mit der NordLB gesprochen werden. Unterdessen ist die Fusion der WestLB mit der LBBW zum drittgrößten deutschen Geldhaus weiter offen. Die WestLB-Eigentümer konnten sich am Freitag in Düsseldorf noch nicht auf die künftige Aufstellung der Landesbank einigen. In knapp drei Wochen, am 13. September, wollen sich die WestLB-Eigentümer wieder treffen. Ob dann eine Entscheidung fällt, blieb unklar.

 

 


   Update: 24. Aug 2007

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