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Frankfurt/Main/New York (dpa) - Eine neue Schockwelle hat die internationalen Börsen und Finanzmärkte am Donnerstag erreicht. Ein Ende der durch die US-Hypothekenkrise ausgelösten Turbulenzen ist nach Einschätzung von Experten nicht in Sicht.
An den Aktienmärkten fielen die Kurse rapide, in Asien sprachen Börsenmakler von Panikverkäufen. «Es ist eine große Verunsicherung im Markt», erklärten Händler. Wie schwer weltweit die großen Banken durch die US-Kreditkrise in Mitleidenschaft gezogen würden, sei völlig unklar. US-Finanzminister Henry Paulson räumte ein, dass die Turbulenzen das Wirtschaftswachstum in den USA beeinträchtigen könnte. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy forderte, die G7-Finanzminister sollten bei ihrer Tagung im Oktober in Washington das Thema auf die Tagesordnung setzen.
Die US-Notenbank schoss noch einmal 17 Milliarden Dollar nach und hat damit seit vergangenem Freitag dem Geldmarkt Dutzende Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Auch die japanische Notenbank gab 400 Milliarden Yen (2,5 Mrd Euro) aus. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte insgesamt 210 Milliarden Euro aus ihren Reserven geholt, um Liquiditätsengpässe zu verhindern.
Am Geldmarkt zögern die Banken derzeit, sich gegenseitig Geld zu leihen, weil unklar ist, welche Bank von den Zahlungsausfällen im US-Hypothekenmarkt betroffen ist. Deshalb greifen die Notenbanken mit zusätzlichen Geldspritzen ein.
In den USA löste die Furcht vor dem Ausufern der Hypothekenkrise und einem Übergreifen auf andere Finanzmarktbereiche einen Run auf kurzfristige US-Staatsanleihen aus. Auch in Deutschland und anderen Ländern folgten verunsicherte Anleger, Hedge-Fonds und institutionelle Investoren diesem Trend.
Am New Yorker Aktienmarkt fielen die Kurse am Donnerstag nochmals stark. Der Dow-Jones-Index lag im Tagesverlauf mit rund zwei Prozent im Minus. Am Vortag hatte er erstmals seit Ende April unter der Marke von 13 000 Punkten geschlossen. Der deutsche Leitindex DAX sank bei Handelsschluss auf 7270,07 Zähler, ein Minus von 2,36 Prozent.
Der Londoner Aktienindex FTSE 100 brach um 4,1 Prozent ein und fiel zum ersten Mal seit März unter die psychologisch bedeutende Grenze von 6000 Punkten. Der europäische Leitindex EuroSTOXX 50 sank auf den niedrigsten Stand seit 5 Monaten, er verlor 2,89 Prozent auf 4062,33 Zähler. Auch die russische Börse setzte ihre Talfahrt fort, der RTS- Inferfax-Index verlor 3,53 Prozent.
In Asien steuerten die Aktienmärkte am Donnerstag erneut tief in die Verlustzone. Am schlimmsten erwischte es die Börse in Seoul, wo Händler von Panikverkäufen sprachen. Der Index brach um 6,9 Prozent ein, so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte der Tokioter Börse gab um 1,99 Prozent nach. In Shanghai verlor der Index 2,14 Punkte.
Am europäischen Geldmarkt hat sich die Situation mit den umfangreichen Finanzspritzen der Notenbanken nur vordergründig beruhigt. «Die Europäische Zentralbank hat mit ihren Liquiditätsspritzen den schlimmsten Brandherd gelöscht. Das Feuer flackert aber immer wieder auf», sagte Matthias Weber von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Nach wie vor sei Liquidität ein kostbares Gut, das händeringend gesucht werde. An den Märkten werde aber inzwischen offenbar eine kräftige Abschwächung des Wirtschaftswachstums erwartet.
US-Finanzminister Paulson erwartet trotz der Turbulenzen, dass das Finanzsystem und die Wirtschaft der USA stark genug sind, um die Verluste zu verkraften, sagte er dem «Wall Street Journal». Allerdings werde die Krise «bei der Wachstumsrate der amerikanischen Wirtschaft eine Strafe fordern». |
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